UBS übernimmt CS: Rettung oder Risikofalle? Spannendes Referat am Lunch & Lecture mit der Paulus Akademie

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Lunch & Lecture mit der Paulus Akademie: UBS übernimmt CS: Rettung oder Risikofalle?

04.06.2025 | Am 4. Juni 2025 besuchten wir die Lunch & Lecture Veranstaltung der Paulus Akademie zum Thema "UBS übernimmt CS: Rettung oder Risikofalle?" 

Am spannenden Anlass über Mittag referierte Dr. Sebastian Zelzner von der Konjunkturforschungsstelle der ETH über die Krise der CS und die darauffolgende "Rettung" durch die UBS. Eine der Leitfragen des Input Referats war, ob Risiken und Gewinne von Schweizer Grossbanken volkswirtschaftlich fair verteilt sind?

Dr. Zelzner führte uns noch einmal durch die Zeitgeschichte und erläuterte, warum es zum Kollaps der Credit Suisse kam. Verschiedene ungünstige Ereignisse (interne und externe) führten in einem angespannten Marktumfeld dazu, dass es im März 2023 zum "Bank Run" auf die Credit Suisse kam. Das Risiko eines möglichen Konkurses der Credit Suisse war für den Wirtschaftstandort Schweiz derart prekär, dass übers das Wochenende vom 19. März 2023 eine Lösung gefunden werden musste.

Doch was waren überhaupt die Optionen? Theoretisch standen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, doch einige waren schlichtweg nicht praktikabel:

Option 1: Insolvenz nach regulärem Schweizer Recht - diese Option wurde nie ernsthaft in Betracht gezogen, da sie zu einem veritablen Domino-Effekt geführt und möglicherweise die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hätte.

Option 2: Teilverkauf an ausländische Investoren - diese Option wurde als weniger attraktiv bewertet, als eine Lösung von inländischen Investoren. Ausserdem hätte die Zeit über das Wochenende kaum gereicht, um einen solchen "Deal" mit ausländischen Investoren abzuschliessen, geschweige denn, eine Due Dilligence durchzuführen.

Option 3: Temporäre Verstaatlichung (Bailout) - diese Option musste verworfen werden, weil der operative Aufwand vom Staat kaum hätte gestemmt werden können, das Risiko erheblich gewesen wäre und so eine Lösung politisch kaum durchsetzbar gewesen wäre ("Privatgewinne – Sozialverluste"). Ausserdem fehlte die Perspektive auf einen späteren Käufer, es gab also keine Exit-Strategie für den Staat.

Option 4: Geordnete Abwicklung (Bail-in Resolution) - bei dieser Option ging es darum, die Leitlinien zur "Abwicklung systemrelevanter Banken", die nach der Finanzkrise 2008 eingeführt worden sind, anzuwenden. Doch leider zeigte sich, dass die rechtliche Unsicherheit mit vielen ausländischen (vor allem vielen US-amerikanischen) Aktionären, sehr gross war. Man musste davon ausgehen, dass dieser Weg - innert nützlicher Frist, d.h. übers Wochenede - rechtlich und operativ nicht machbar war, deshalb musste diese Option verworfen werden.

Option 5: Notfusion mit der UBS - die Übernahme der CS durch die UBS konnte vom Bundesrat via Notrecht übers Wochenende beschlossen werden. Alle CS Aktionäre erhielten im Tausch UBS Aktien (22,48 CS-Aktien = 1 UBS-Aktie). Der Staat bzw. die SNB unterstützte die Fusion durch Kreditlinien, die alle zurückbezahlt wurden.

Im dritten Teil des Referats reflektierte Dr. Zelzner, ob die Übernahme der CS durch die UBS nun eine gute Lösung war?

Alles in allem kann man heute sagen, dass es "noch einmal gut gegangen ist". Zum Zeitpunkt der Entscheidung, und in Anbetracht der Alternativen, war es die bestmögliche Vorgehensweise. Heute ist die Übernahe geglückt, die UBS ist "stabil" und alle Liquiditätshilfen wurden mit Zinsen zurückgezahlt und staatliche Verlustgarantien wurden aufgelöst. Salop formuliert könnte man sagen, die Rettung der CS hat den Steuerzahler "nichts" gekostet.

Jedoch gibt Dr. Zelzner zu bedenken, dass Ex-ante ein erhebliches Risiko bestanden hatte für Staat und Steuerzahler - es hätte auch anders kommen können. Und die nun riesige UBS - vor allem im Verhältnis zum Brutto Inlandprodukt BIP: die Bilanzsumme der UBS beträgt rund 170% des jährlichen BIPs der Schweiz - birgt eine Gefahr für die Zukunft. Noch einmal wäre eine solche Grossbank-Rettung nicht möglich.

Was ist also zu tun? Diese Frage drängt sich auf: Too big to fail - too big to rescue? Ja, die mächtige UBS ist für den kleinen Schweizer Staat "too big to rescue". Aus Erfahrungen z.B. aus Irland und Island weiss man von 2008, dass eine Volkswirtschaft durch eine Bankenpleite arg gebeutelt werden kann. Die Folgen sind Währungscrash, tiefe Rezession, Massenarbeitslosigkeit, soziale Spannungen. Irland verlor sogar die fiskalische Souveränität und in Island gab es Kapitalverkehrskontrollen.

Dr. Zelzner schlägt vor, dass der Staat die Banken strenger reguliert, z.B. eine höhere Eigenkapitalquote verlangt, jedoch mit Augenmass, da eine Überregulierung volkswirtschaftlichen Nutzen reduziert - für die Banken aber auch für die Steuerzahler.

Zum Ende beleuchtete er noch die ethische Frage: Wer trägt bei grossen Banken das Risiko – und wer profitiert? Der Fall CS zeigte, dass die fiskalischen Kosten der Bankenrettung geringer waren als befürchtet – doch es entstanden Opportunitätskosten und politische Spannungen. Die Banker und Aktionäre der CS erlitten massive Verluste und wurden "entmachtet". Die Gewinne aus den Boomjahren gingen jedoch ans Management und die Investoren, dies wird trotz den Verlusten nach dem Untergang der CS von vielen als asymmetrische Verteilung von Gewinn und Risiko empfunden.

Dr. Zelzner hebt hervor, dass das Ziel der CS-Rettung nicht der Schutz der einzelnen Bank war, sondern die Vermeidung eines Domino-Effekts und einer enormen Wirtschaftskrise, die weit über die Schweiz hinausgereicht hätte.

Nichtsdestotrotz stellt er ein ethisches Dilemma fest: Eine implizite Rettungserwartung ("too big to fail") untergräbt möglicherweise die Marktdisziplin der Banken und ist Anreiz für übermässige Risikobereitschaft und hohe Fremdfinanzierungen. Es bleiben nur regulatorische Gegenmassnahmen: Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen, Stresstests und eine "schlagkräftige" FINMA. Politisch muss jedoch die Frage beantwortet werden, welche Kosten und Einschränkungen die Gesellschaft in "normalen Zeiten" bereit ist zu akzeptieren (z.B. kleinere Gewinne), um im Krisenfall auf staatliche Rettungen verzichten zu können?

 

Den Mitgliedern von VCU Zürich wurden die interessanten Slides von Dr. Zelzner per E-Mail zugestellt.




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