Am 25. Februar 2026 traf sich die VCU Zürich mit dem Club Felix zum «TimeOut Business Lunch mit Tobias Karcher und Gedanken zur Fastenzeit». Als Mitglied des Jesuitenordens (SJ) ist Karcher seit 2016 Leiter des Lassalle-Instituts in Zürich, wo er Führungskräfte dabei begleitet, die «ignatianische Kunst der «Unterscheidung» in ihren Managementalltag zu integrieren, und seit Dezember 2023 Superior der Jesuitenkommunität in Zürich und Präsident der Stiftung «Jesuiten weltweit Schweiz».
Grundlage von Karchers Impulsen bildete das von ihm mit 11 Mitbrüdern verfasste, von Franz-Xaver Hiestand SJ herausgegebene Buch «In die Leere hineinlieben. Durch die Fasten- und Osterzeit mit 12 Schweizer Jesuiten: Meditationen für jeden Tag» (2022). Das Buch ist eine Einladung, die Fastenzeit als einen Prozess des «inneren Aufräumens» zu begreifen, um Raum für das Wesentliche zu schaffen – eine Qualität, die gerade in unsicheren Zeiten auch für uns als Unternehmerinnen/Unternehmer und Führungskräfte von unschätzbarem Wert ist.
Eröffnet wurden die Impulse mit Karchers Feststellung, dass die kürzeste Definition von Religion die Zeit des bewussten Unterbruchs sei, um den in unserer geschwätzigen Zeit schweigenden Gott hören zu können. Dazu am besten geeignet sei – neben den Sonntagen – insbesondere die länger dauernde Fastenzeit, die dem Einüben in ein geistliches Leben diene. Diese Einübung biete, so Karcher, beispielsweise das Lassalle-Institut in Zürich mit seinen Seminaren für Führungskräfte über das christliche Menschen- und Weltbild. Vier leitende Aspekte lassen sich gemäss Karcher dabei unterscheiden: das Leben zwar selbst in die Hand zu nehmen, jedoch im Bewusstsein, dass das Leben ein Geschenk ist (kontemplative Haltung: Aufmerksamkeit, Stille, Loslassenkönnen und Resonanz). Dies lasse uns im Gebet am Ende des Tages, dem gemäss Ignatius von Loyola wichtigsten Gebet, mit einem positiven Blick und in Dankbarkeit innehalten. Ein dritter Aspekt widmet sich der Einsicht, dass die Zeiten der Pausen zwar gegen die Überforderung gedacht sind, jedoch eine durch die Liebe getragene Grenzüberschreitung implizieren. Dadurch werde, so Karcher, ein Ausgleich zwischen der einzelnen Person und der Gemeinschaft ermöglicht (Unterscheidung der Geister: verschiedene spirituelle Erfahrungen). Im Bewusstsein, dass die Menschen schuldig würden, entstehe dadurch Versöhnung, die insbesondere in der zweiten Lebenshälfte wichtig werde und die Basis für Frieden bilde (Herzöffnung). Alles, was die Menschen aus Liebe getan hätten, so schliesst Karcher, bleibe, weshalb Taten wichtiger seien als Worte.
Mit Dankbarkeit für die tiefgründigen Impulse von Tobias Karcher freuen wir uns bereits auf den nächsten Anlass vom 17. März 2026, unsere GV mit anschliessendem geistlich-weltlichem Referat «Der Unterschied zwischen Pfarrer und Wirt ist hauchdünn» von Dr. theol., lic. iur. Niklas Raggenbass.