«Der Unterschied zwischen Pfarrer und Wirt ist hauchdünn»
Referat von Dr. theol., lic.iur. Niklas Raggenbass
Die VCU Zürich hielt ihre diesjährige Generalversammlung am Dienstag, den 17. März 2026, im christkatholischen Kirchgemeindehaus der Augustinerkirche in Zürich ab.
Anschliessend referierte Dr. Niklas Raggenbass zum Thema «Der Unterschied zwischen Pfarrer und Wirt ist hauchdünn».
Zu Beginn betonte er, wie wichtig es für die Menschen sei, entdeckend Grenzen überwinden zu können – eine Erkenntnis, die Raggenbass, aufgewachsen in Kreuzlingen, auf den 1939 von der Schweiz und Nazideutschland errichteten und erst 1999 abgebauten Judenzaun als prägende Erfahrung zurückführt. Das Ausloten und Überwinden von Grenzen zieht sich durch Raggenbass’ Leben hindurch: von seiner Ausbildung zum Croupier im Casino Konstanz, wo er den Wert von Regeln entdeckte, über die Arbeit mit Behinderten in der «Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen» nach Abschluss seines Jurastudiums (1991) bis zum Eintritt ins Benediktinerkloster Engelberg 1992, wo seine anfänglich gestellte Frage, ob das Kloster einen Juristen gebrauchen könne, verneint wurde.
Nicht die Regeln der Juristen standen fortan im Vordergrund, sondern die Regula Benedicti, deren Vorlesen in kleinen Schritten gemäss Raggenbass die Grundlage des Lernens bildet, eines schrittweisen, begleiteten Gehens eines neuen Weges, um eine Überforderung aufgrund zu früh erteilter Verantwortung zu verhindern: mit der Regula Benedicti gegen «Burn out» – ein Grundsatz, dem er auch nach Verlassen des Klosters weiterhin als Wirt des gemeinsam mit seiner Partnerin Maria Leu geführten Gasthauses «Leuenstern» in Hohenrain (Kanton Luzern) treu geblieben ist: benediktinische Gastfreundschaft, die den Gast erst ankommen lässt – «Schritt für Schritt». Im Zentrum steht das Miteinander-Essen, das an den protestantischen Pfarrer und Schriftsteller Jeremias Gotthelf (1797-1854) erinnert, der in seinem Pfarrhaus in Lützelflüh – wie Niklas Raggenbass – bei erlesenem Wein unzählige Gäste bewirtet hatte, ein Miteinander, das sich nicht auf die im 19. Jh. entstandene Regel «Bete und arbeite» des einzelnen Mönchs beschränkt. Nicht starre Regeln sind das Ideal, sondern solche, die – im Sinne der Frage «Was ist Deine Hemina?» – an den Menschen in der Gemeinschaft angepasst werden, in einer Gemeinschaft, die – so Niklas Raggenbass’ Fazit – am Beginn jeder Lebensänderung stehen sollte, der VCU beispielsweise. Gemeinschaftlich liessen wir den Abend anschliessend bei einem schrittweise genossenen Nachtessen im Restaurant Schipfe ausklingen.
Mit Dankbarkeit für den spannenden, lebendigen und authentischen Einblick von Niklas Raggenbass in sein Leben freuen wir uns auf das TimeOut «VCU & Swisshand. Wirtschaften mit Verantwortung. Lokal verankert, global wirksam» vom 16. April 2026.
Bericht: Michael Lauener