18. Juli 2025 von Michael Lauener
Zürich, 17. Juli 2025 – Nachdem die Sonne auf Petrus’ Geheiss hin ihrer temporären Müdigkeit entsagt hatte, freuten sich die Teilnehmer/innen der VCU Zürich und des Club Felix, der sommerlichen Hitze in die Kühle der Krypta des Fraumünsters entfliehen zu können. Passend zur ökumenisch zusammengesetzten Gruppe ist die Kontinuität des einst benediktinischen Fraumünsters seit seiner Stiftung 853 bis heute ungebrochen, was sich nicht zuletzt im Namen der bedeutenden Stadtkirche zeigt.
Unter der Führung von Thomas Gamma starteten wir in der Marienkapelle, einem weiteren Zeichen historisch-religiöser Kontinuität, ist doch über dem Fenster auf der Ostwand eine spätgotische Marienkrönung zu erkennen: Christus und Gottvater, welche die auf einer Thronbank sitzende «Himmelskönigin» krönen. Heute ein Raum der Stille mit Garderobe des Fraumünsterpfarrers, hiess die Marienkapelle auch Dreikönigskapelle, da die Reliquien der Heiligen Drei Könige bei ihrer Überführung von Mailand nach Köln vom 23. bis 26. Juli 1164 in ihr verwahrt worden waren.
Zweite Station war dann die Krypta. Seit der Aufhebung des Klosters während der Reformation im Jahr 1524 war diese der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Erst seit 2016 bietet eine anregende Ausstellung Einblicke in die Entstehungszeit des Klosters im 9. Jahrhundert, die Reformationszeit und die heutige Pfarrei. Ein Highlight ist der Kopf einer Marienstatue, welchem die Nase fehlt: Ein Zeugnis der Bilderentfernung in der Reformation.
Einst Reichsfürstinnen (belegt seit 1234) und Herrinnen der Stadt Zürich könnte man die Fraumünsteräbtissinnen gewissermassen als «emanzipierte Frauen avant la lettre» bezeichnen, auch wenn sie im Spätmittelalter ihre politische Macht an den Rat der Stadt Zürich verloren hatten.
In feucht-tropischer Atmosphäre zeigte uns Thomas Gamma – unter Erläuterung der Gründungsgeschichte inkl. -legende – die ältesten Überreste dieser einst bedeutenden Abtei und brachte uns die Zürcher Stadtgeschichte näher, beispielsweise unter Erwähnung des evangelischen Theologen Johann Caspar Ulrich (1705-1768), eines zwar bedeutenden Judaisten, gleichzeitig jedoch umstrittenen «Judenbekehrers», und des Buchdrucks und der immensen Korrespondenz Heinrich Bullingers, die jedoch, so Gamma, eigentlich ins Grossmünster gehöre. Nicht unerwähnt blieb auch Katharina von Zimmern, die letzte Äbtissin, die später auch Witwe geworden war.
Erklärt wurde uns auch, dass die Eintrittsbezahlung – ein Novum – als Instrument zur Regulierung des Besucherstroms für die Chagall-Fenster eingeführt worden war.
Bei diesen mit der für reformierte Kirchen eher atypischen Mariendarstellung endete dann unsere Führung, die in der Marienkapelle begonnen hatte. Dabei erfuhren wir, dass Marc Chagall (1887-1985) – engagiert vom damaligen Fraumünsterpfarrer Dr. Peter Vogelsanger – die Fenster in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts gemalt hatte (vollendet 1970).
In grosszügiger Auslegung der Regula Benedicti liessen wir anschliessend den Abend, transportiert durch Tram oder die Füsse, im Restaurant Riithalle gemütlich ausklingen.