TimeOut «Wenn Eltern älter werden» mit Dr. Bettina Ugolini
Am 16. September 2026 traf sich die VCU Zürich zum TimeOut «Wenn Eltern älter werden», wo die Teilnehmenden ein höchst lehrreiches Referat von Frau Dr. Bettina Ugolini erwartete.
Ugolini, aus ihren Erfahrungen als Tochter schöpfend, begann ihr Referat mit der Schilderung ihrer Motivation, sich mit obigem Thema zu befassen. Auslöser war ihre Feststellung im Jahr 2002, dass es dazu weder eine psychologische Beratung für Personen ab Alter 85 noch für deren Kinder gab, obwohl die Nachfrage nach einer solchen sehr hoch war. Ziel einer solchen Beratung sei, so Ugolini, der Friede zwischen den Eltern und ihren Kindern nach dem Tod eines Teiles, d.h. eines Elternteiles oder eines Kindes. Wichtig sei dabei, dass das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern nicht umgekehrt werde in dem Sinne, dass die Kinder zu «Eltern der Eltern» würden, sondern dass eine «Begegnung auf Augenhöhe» stattfinde. Diese setze ein gegenseitiges Gespräch über Erwartungen und Erwartungsdruck voraus.
Im Laufe ihres Referats wies Ugolini auf wichtige Punkte im Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt hin: die vielgestaltige Unterstützung der Kinder durch ihre Eltern, bei welcher die Gefahr bestehe, im jungen Erwachsenenalter bei der Begegnung mit den Eltern in alte Rollenmuster zurückzufallen, was eine «Begegnung auf Augenhöhe» verhindere. Im Weiteren wies Ugolini darauf hin, dass Geschwister jeweils unterschiedliche Erinnerungen an ihre Eltern hätten, da der Kontext, in dem sich die Eltern befänden, von Kind zu Kind wechsle. Ebenso sei die Beurteilung der Eltern durch ihre Kinder eindimensional, d.h. die Eltern würden durch ihre Kinder nur in ihrer Elternrolle beurteilt, so dass es die wesentliche Frage zu stellen gelte: Welcher Mensch ist mein Vater bzw. meine Mutter? Diese Frage helfe den Kindern, so folgerte die Referentin, zu einer filialen Reife zu finden, welche meistens aus einer filialen Krise erwachse. Dadurch gelänge es den Kindern, Empathie gegenüber ihren Eltern zu entwickeln, deren Körper mit zunehmendem Alter zum Organisator ihres Lebens würde, so dass sie nicht mehr die Erwartungen ihrer Kinder erfüllen könnten. So bedeute es für die Eltern denn einen riesigen Schritt, einen Teil ihrer Verantwortung an ihre Kinder zu übergeben (parentele Reife), was schlussendlich beiderseitige Akzeptanz von Endlichkeit impliziere, eine schwierigere Herausforderung als die Pubertät. Wichtig scheint mir daher Ugolinis Feststellung, dass das 4. Gebot «Du sollst Vater und Mutter ehren» in der korrekten Übersetzung lautet: «Du sollst Vater und Mutter nicht lächerlich machen», wodurch viele Missverständnisse hätten vermieden werden können.
Nach Bettina Ugolinis Referat über ein nachhaltiges Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern «auf Augenhöhe» wird sich der nächste Anlass, der Firmenbesuch bei Sika Schweiz AG mit GF Philipp Irniger vom 29.10.2026, mit dem Thema der «Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft» beschäftigen.
Bericht: Michael Lauener