Von Daten-Clerks zu Daten-Judges

Der heutige VCU Business Lunch in Zürich bot den Teilnehmenden einen spannenden Einblick in die Zukunft der Unternehmenssoftware. David Imbert, Global Head of Finance Modules bei SAP und VCU-Mitglied, beleuchtete in seinem Vortrag, wie Künstliche Intelligenz (KI) die ERP-Welt von SAP revolutioniert – und welche tiefgreifenden Veränderungen dies für die Mitarbeitenden bedeutet.

 

Weniger Clerks, mehr Judges: Die neue Rolle des Menschen

Imberts zentrale These war: «Less Clerks, more Judges». SAP ergänzt ihre ERP-Software mit intelligenten KI Agents, die repetitive Aufgaben übernehmen und die Effizienz massiv steigern sollen. Anstatt akribisch Daten einzugeben und zu verwalten (Clerks), wird die zukünftige Arbeitskraft zunehmend dafür zuständig sein, die Ergebnisse der KI kritisch zu bewerten und ethisch fundierte Entscheidungen zu treffen (Judges).

«Aus Wissen kommt Verstehen. Aber wie judgen? Mit Ethik», betonte Imbert in der Diskussion und unterstrich damit die wachsende Bedeutung von Judgement und Ethik als Kernkompetenzen im KI-Zeitalter.

KI muss nicht perfekt sein – sie muss nur weniger Fehler machen als der Mensch

Die Befürchtung, dass KI menschliche Arbeitsplätze massenhaft ersetzen wird, relativierte Imbert. Zwar werden sich viele Jobs verändern, denn KI müsse nicht perfekt sein; sondern lediglich weniger Fehler machen als der Mensch. Als Beispiel nannte er die heutige Finanzrevision, die heute primär viele menschliche Fehler aufdecke. Trotzdem werde es keine «dauerhaften Ferien» geben, da die Menschheit laufend neue Jobs erfinde.

 

 

Der Vortrag mündete in eine lebhaft moderierte Fragerunde, die viele Facetten der KI beleuchtete:

Mitarbeiter-Performance: Imbert misst die Leistung seiner Mitarbeiter künftig an ihrer Bereitschaft, KI sinnvoll zu nutzen und gutes Judgement zu zeigen.

Stereotypen und Alignment: Da KI sich an Mehrheiten orientiert, besteht die Gefahr, dass Stereotypen fortgeschrieben werden. Imbert sieht hier ein notwendiges Alignment mit gesellschaftlichen Werten.

Umgang mit Kindern: Auf die Frage, was Kinder lernen sollen, antwortete Imbert bildhaft: Er würde ihnen digitale Instrumente nicht zu früh in die Hand geben – so wie man einem Kind auch nicht zu früh einen Hammer überlässt.

Datenschutz: Sensible Daten werden primär durch Datenzugriffsbeschränkungen geschützt, wobei er zugab, dass Lücken bestehen bleiben können.

Chancen auch für Firmen mit grossen IT-Backlog: Mit Pilotprojekten starten, diese so einfach wie möglich halten und kompromisslos auf Datenqualität achten.

 

Der VCU-Lunch mit David Imbert bot eine fundierte und zugleich inspirierende Diskussion darüber, wie KI die Arbeitswelt verändert, den Menschen in eine Rolle des kritischen Entscheiders hebt und dabei neue Massstäbe für Performance, Ethik und Bildung setzt.

Ein grosser Dank geht an den Referenten und Roland Gröblis sorgfältige Vorbereitung und inspirierende Moderation.