Stadträte auf Abwegen & Networking im Laternenschein: Das war unser VCU-Septemberevent
24 VCU-Mitglieder und zwei Gäste versammelten sich am geschichtsträchtigen Fischmarktplatz, um gemeinsam eine Reise in die düsteren, aber äusserst unterhaltsamen Kapitel der Stadtgeschichte anzutreten. Was als klassischer Abendspaziergang geplant war, entpuppte sich schnell als humorvolles und augenöffnendes Erlebnis voller historischer Geheimnisse.
Zwei Guides, eine Laterne und jede Menge Insider-Storys
Pünktlich fiel der Startschuss bei bester Stimmung und mildem Abendwind. Da die VCU-Truppe für die engen Altstadtgassen schlicht zu gross war, teilte sich die Gesellschaft kurzerhand auf. Das Empfangskomitee hätte gegensätzlicher kaum sein können: Ein Guide begleitete seine Gruppe elegant im modernen Zivillook, während der andere stilecht in die Rolle des historischen Nachtwächters schlüpfte – inklusive schwerem Mantel, markantem Hut und einer flackernden Laterne, die im schwindenden Tageslicht eine magische Atmosphäre verbreitete.
Anderthalb Stunden lang zog die Gesellschaft durch die dämmernden, kopfsteingepflasterten Gassen. Wer trockene Jahreszahlen und langatmige Monologe befürchtet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Die Guides schöpften aus dem Vollen und erweckten die alte Zeit zum Leben.
Von derbem Handwerk und der Justiz der Strasse
Die Teilnehmer erfuhren hautnah, wie rau das Leben im Mittelalter wirklich war. Der Nachtwächter erklärte mit einem Augenzwinkern, dass sein Job damals alles andere als romantisch war: Neben dem Ausrufen der Uhrzeit und dem Warnen vor Feuern musste er vor allem Gassenbuben zur Räson bringen und zwielichtige Gestalten im Auge behalten. Die Strafen für nächtliche Ruhestörung waren drakonisch – wer zu tief ins Glas geschaut hatte und randalierte, landete ungebremst im sprichwörtlichen «Narrenhäuschen» oder am Pranger, sehr zur Belustigung der ehrbaren Bürgerschaft am nächsten Morgen.
Handgreiflichkeiten im «Marschallstübli»
Das absolute Highlight des Rundgangs führte die Gruppen zu den pikanten Geheimnissen der damaligen Stadtprominenz. Die Guides enthüllten, dass Sitte und Anstand im historischen Ratssaal keineswegs immer oberste Priorität hatten. Die wohl amüsanteste Anekdote des Abends spielte sich im legendären «Marschallstübli» ab: Dort, wo eigentlich hochoffizielle Politik betrieben und über das Wohl der Stadt entschieden werden sollte, flogen eines Abends die Fetzen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Nach einer hitzigen Debatte und vermutlich dem einen oder anderen Becher Wein zu viel gerieten sich die ehrwürdigen Stadträte so massiv in die Haare, dass die Argumente ausgingen und die Fäuste flogen. Es entwickelte sich eine handfeste, historisch verbriefte Prügelei mitten im Sitzungszimmer. Perücken verrutschen, Ratsroben zerrissen, und die Würdenträger wälzten sich auf dem Boden. Ein herrlicher Beweis dafür, dass auch die Gründerväter der Stadt nur Menschen mit feurigem Temperament waren. Wer hätte gedacht, dass Kommunalpolitik jemals so physisch war?
Kulinarischer Ausklang und lebhaftes Networking
Nach diesem historischen Workout für Geist und Lachmuskeln war es Zeit für den gemütlichen Teil des Abends. Die Gruppe kehrte an den Ausgangspunkt zurück und zog ins Restaurant «Dieci», direkt am Fischmarktplatz, ein. Die Anekdoten der Guides lieferten perfekten Gesprächsstoff: Es wurde viel gelacht, die Parallelen zwischen den damaligen Stadträten und dem modernen Business-Alltag wurden scherzhaft analysiert, und neue Kontakte wurden geknüpft.
Ein rundum gelungener Septemberevent, der zeigt: Die VCU versteht es nicht nur, wirtschaftliche und ethische Themen zu diskutieren, sondern auch gemeinsam zu lachen und das Leben zu geniessen.
Bericht, Albert Kuster, Präsident VCU Linth