Generika-Preise: Schweiz 10x teurer als Holland

Generika-Preise: Schweiz 10x teurer als Holland

Eid­genös­sis­ch­er Preisüberwach­er bei der VCU Aargau/Solothurn

Was ist ein fair­er Preis? Und warum gibt es exor­bi­tante Preisun­ter­schiede, die sich nie­mand so richtig erk­lären kann? Warum zahlen Schweiz­er für das genau gle­iche Medika­ment 16-mal mehr als die Hol­län­der? Dieses The­ma behan­delte Dr. iur. Ste­fan Meier­hans, auch bekan­nt als «Mon­sieur Prix der Schweiz» an einem öffentlichen Refer­at vor der VCU Aargau/Solothurn in Aarau.

«Ich kön­nte über vieles reden, was mit fairen Preisen oder eben nicht erk­lär­baren Preisun­ter­schieden zu tun hat: Preis­senkung bei der Post, Preis­sta­bil­ität bei den SBB, tief­ere Han­del­sreg­is­terge­bühren. Für mich ist aber klar, dass wir in zahlre­ichen Bere­ichen gefan­gene Kun­den und damit der Preiswillkür aus­geliefert sind», damit hat­te der tem­pera­mentvolle Preisüberwach­er qua­si die Mess­lat­te geset­zt. Das zahlre­iche Pub­likum und wiederum eine Matu­ra-Abschlussklasse des KV Aarau fol­gten geban­nt den fes­sel­nden Aus­führun­gen.

Zusatzver­sicherte lan­den häu­figer auf dem OP-Tisch

Im Zen­trum nicht nur des Refer­ates, son­dern auch sein­er Arbeit ste­hen beim Preisüberwach­er die Preisen­twick­lun­gen im Gesund­heits­bere­ich. Die Kosten für Medika­mente, Spi­ta­laufen­thalte und Behand­lun­gen steigen seit 1996 viel stärk­er als das Brut­toin­land­pro­dukt. Die grösste Dif­ferenz aber beste­ht in der Entwick­lung zu den Löh­nen. «Die Prämie für die Grund­ver­sicherung ist seit 1996 im Ver­gle­ich zu den Net­tolöh­nen um das Fünf­fache gestiegen. Das ist drama­tisch», so Meier­hans, «denn lange kön­nen wir uns das ein­fach nicht mehr leis­ten.» Anhand einiger Beispiele zeigte Meier­hans auf, wo wir mit absur­den und nicht erk­lär­baren Preisen und Kosten kämpfen:

Beispiel 1: Medika­menten­preise. Für das genau gle­iche Medika­ment von San­doz zahlen die Hol­län­der CHF 3.55; Preis in der Schweiz: CHF 56.80.

Beispiel 2: Unnötige Ein­griffe. In den bei­den Basel lassen sich 10 Prozent aller sta­tionären Behand­lun­gen nicht mit der Bevölkerungsstruk­tur erk­lären, sind also unnötig. Kosten pro Jahr: CHF 80 Mil­lio­nen.

Beispiel 3: Schröp­fung der Pri­vatver­sicherten. Patien­ten, die pri­vat- oder halbpri­vatver­sichert sind, wer­den in der Schweiz 2,2-mal häu­figer am Knie und 1,5-mal
häu­figer an der Wirbel­säule operiert als Patien­ten mit nur ein­er Grund­ver­sicherung. Nach ein­er Auswer­tung des Bun­de­samtes für Gesund­heit BAG ist eine medi­zinis­che Begrün­dung für diese Mehrbe­hand­lung der Zusatzver­sicherten nicht erkennbar. Der Preisüberwach­er und die Bern­er Ober­län­der Spi­tal­gruppe STS haben sich kür­zlich auf
kos­tendämpfende Schritte in diesem Bere­ich geeinigt. Das Beispiel kön­nte Schule machen. Eine Experten­gruppe des Bun­des hat 38 Mass­nah­men definiert, die im Gesund­heitswe­sen greifen soll­ten. Die Hand­schrift des Preisüberwach­ers ist auch hier zu erken­nen.

Dig­i­tale Plat­tfor­men im Visi­er

Meier­hans zeigte an weit­eren Fällen auf, wie sich die Preisüberwachung auf Wirtschaft und Arbeits­markt in unserem Land auswirkt. Nicht nur die Wasser­preise wer­den beobachtet, son­dern auch die Gebühren etwa für die Kehrichtver­bren­nung, wo kür­zlich ein Ver­fahren gegen einen KVA-Betreiber eröffnet wurde. Im Fokus ste­hen neuerd­ings auch dig­i­tale Plat­tfor­men. Durch die Dig­i­tal­isierung wird die Wirtschaft deut­lich konzen­tri­ert­er, da alle Unternehmen auf den gle­ichen Plat­tfor­men aktiv sein müssen. Es gibt immer mehr mark­t­do­minierende Unternehmen wie beispiel­sweise Google. «Das kön­nte zum Prob­lem wer­den», warnte Meier­hans.

«Tun Sie etwas!» – Jed­er kann sich melden

Was der Preisüberwach­er tut und wo er ein­greift, ist in der Ver­fas­sung und im Preisüberwachungs­ge­setz fest­gelegt. Wo Miss­bräuche im Preis vor­liegen oder wo die
Mark­t­macht zum Schaden der Kon­sumenten aus­genützt wird, kann der Preisüberwach­er ein­greifen und nach Abklärung aller rel­e­van­ten Details die Preise fes­tle­gen. «Im Vorder­grund ste­ht der gefan­gene Kunde; den will ich als Preisüberwach­er schützen.» Wer ver­mutet, die Erhöhung oder Beibehal­tung eines Preis­es sei nicht recht­ens, kann dies dem Preisüberwach­er schriftlich melden. «Jed­er­mann kann sich melden und damit rech­nen, dass er eine Antwort erhält. Pro Jahr lan­den rund 2’000 Beschw­er­den auf meinem Pult. Die Briefe an mich enden häu­fig mit der Auf­forderung ‚Tun Sie etwas’», so Meier­hans.

 

Respekt, Fair­ness, Ver­ant­wor­tung

Mit Anlässen zu aktuellen The­men fördert die Vere­ini­gung christlich­er Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Mei­n­ungsaus­tausch unter den Mit­gliedern sowie mit Fach­leuten und inter­essierten Gästen. Haupt­fokus ist laut VCU-Präsi­dent Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vere­ini­gung ist es, ihren Mit­gliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethis­che Impulse zu ver­mit­teln und ihre Ver­ant­wor­tung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Mot­to: «Respekt – Fair­ness – Ver­ant­wor­tung».

Autor:
Louis Drey­er, MACH AG, Baden

Kon­takt:
Max Zeier, Präsi­dent VCU AG/SO / 11. März 2020