Die Schweizergarde — Ein Engagement aus Leidenschaft und Überzeugung

Die Schweizergarde — Ein Engagement aus Leidenschaft und Überzeugung

Tra­di­tionell ist ihr Grun­dauf­trag: Seit 1506 schützt die Schweiz­er­garde den Papst und seine Res­i­denz. Insofern hat sich nichts geän­dert. Verän­derun­gen unter­wor­fen sind die Meth­o­d­en der Auf­tragser­fül­lung und die Men­schen, die Gardis­ten, die dazu berufen sind und mit ihnen das Umfeld, in dem sie sich bewe­gen.

Unser VCU Linth Mit­glied Bern­hard Mess­mer, Inhab­er und Geschäfts­füh rer der Mess­mer Per­sonal­man­age­ment GmbH in Glarus, rekru­tiert exk­lu­siv für die Päp­stliche Schweiz­er­garde in Rom. Im Jan­u­ar 2019 erläuterte deshalb Beny Mess­mer der VCU Linth die Schweiz­er­garde:

Ein Engagement aus Leidenschaft und Überzeugung:

Am 21. Juni 1505 richtete Papst Juli us II. Giu­liano del­la Rovere ein Gesuch an die eid­genös­sis­che Tagsatzung, ihm 200 Fussknechte für die Bewachung sein­er Per­son und seines Palastes zu entsenden. Im Herb­st des gle­ichen Jahres macht­en sich 150 Gardis­ten auf den Weg nach Rom. Dort trafen sie am 22. Jan­u­ar 1506 ein, wur­den eilig mit Uni­for­men in den Rovere-Far­ben rot und gelb aus­ges­tat­tet und began­nen bere­its am Tag darauf ihren Dienst. Der 22. Jan­u­ar 1506 gilt deshalb als Grün­dungstag der Garde. Die Blut­probe fol­gte auf tragis­che Weise bei der Plün­derung Roms (Sac­co di Roma) am 6. Mai 1527. Mehr als drei Vier­tel der Truppe (147 der ins­ge­samt 189 Mann) fie­len bei der Vertei­di­gung von Papst Clemens VII., gemein­sam mit ihrem Kom­man­dan­ten Kas­par Röist bei der Deck­ung des Rück­zugs vom Papst Clemens VII. in die Engels­burg. Dieser Tag, der 6. Mai, gilt noch heute als der Gedenk­tag der Schweiz­er­garde, an dem jährlich die neuen Gardis­ten verei­digt wer­den.

Die Schweiz­er sind bis heute für die Sicher­heit des Pon­tif­ex und sein­er Res­i­denz ver­ant­wortlich. Auf den Reisen des Pap­stes teilen sich die Schweiz­er diese Auf­gabe mit dem Gen­darmerieko­rps des Vatikans. Die Schweiz­er­garde ist nicht wie die Gen­darmerie beim Vatikanstaat angestellt, son­dern bei der Kirche. Neben dem Sicher­heits­di­enst gehören so auch Ehren­di­en­ste, wie die Präsenz bei Empfän­gen und Audien­zen, zur Auf­gabe der Schweiz­er­garde. Die Gardis­ten sind gut aus­ge­bildete Nah­schützer. Sie absolvieren eine zwei monatige Grun­daus­bil­dung wie beim Polizeiko­rps. Sie ler­nen das «2 Stun­den ger­adeaus Sehen», dabei gilt es sich geistig zu beschäfti­gen. Schläft ein Gardist im Wach­di­enst ein, wird er direkt nach Hause geschickt. Die offiziellen Sprachen (Kom­man­dosprachen) der Garde sind Deutsch und Ital­ienisch. Unter den Gardis­ten herrscht ein kol­le­giales Ver­hält­nis, auch die Ehe­ma­li­gen haben einen guten Zusam­men­halt, ganz dem Mot­to «ein­mal Gardist immer Gardist».

Seit der Wahl von Papst Franziskus am13. März 2013 wurde die Organ­i­sa­tion der Sicher­heit schwieriger. Papst Franziskus pflegt es unter Men­schen zu sein. Aus diesem Grund entsch­ied sich Papst Franziskus, vor­erst nicht in den Apos­tolis­chen Palast zu ziehen. Er wohnt weit­er­hin im Vatikanis­chen Gäste­haus, der Casa San­ta Mar­ta, wo sich sein Apparte­ment befind­et. Er nutzt den Apos­tolis­chen Palast für den Emp­fang von Staats­gästen und für beson­dere Audien­zen. Im April let­zten Jahres gewährte er, als Teil dieser Reform, die Auf­s­tock­ung des Sollbe­standes der Garde von 110 auf 135 Mann. Zum Zeit­punkt dieser Entschei­dung hat­te die Schweiz­er­garde 110 Mit­glieder.

Ein Gardist verpflichtet sich für 26 Monate. Zieht man diejeni­gen, welche sich für ein drittes Jahr verpflicht­en ab, müssen mind. 35Gardisten pro Jahr rekru­tiert wer­den. Diese Rekruten haben eine Rei­he von Auf­nah­mebe­din­gun­gen zu erfüllen.

Sie müssen katholis­che männliche Schweiz­er, zwis­chen 19 und 30 Jahren alt, min­destens 1,74m groß und sportlich sein. Zusät­zlich müssen sie einen ein­wand­freien Leu­mund besitzen, eine Mit­telschule oder Beruf­slehre mit EFZ sowie die Rekruten­schule der Schweiz­er Armee absolviert haben sowie ledig sein. Ein kün­ftiger Schweiz­er­gardist iden­ti­fiziert sich mit seinem Heimat­land, lebt schweiz­erische Werte wie Pünk­tlichkeit und Genauigkeit. Aus­land­schweiz­er, welche nie in der Schweiz gelebt haben, kön­nen daher nicht Gardis­ten wer­den.

Für die Schweiz­er­garde wird es in näch­ster Zukun­ft schwieriger, Nach­wuchs zu find­en. Neben den vie­len Kirchenaus­trit­ten zeich­nen sich auch die Geburten­schwachen Jahre zwis­chen 1995 und 2005 neg­a­tiv ab, welche gemäss Sta­tis­tik beson­ders ab 2020 bis 2025 prob­lema­tis­che Auswirkun­gen haben wer­den. Durch die Ter­rorge­fahr hat sich die Aus­bil­dung verän­dert: Höhere Ansprüche im sportlichen Bere­ich, aber auch bei den Sprach­fähigkeit­en sind die Folge. Auch die wirtschaftliche Entwick­lung spielt eine Rolle. «Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, ist es für uns ten­den­ziell ein­fach­er Kan­di­dat­en zu find­en», sagt Mess­mer.

Wenn Beny Mess­mer vom Nutzen eines Ein­satzes in der Garde spricht, will er nicht primär die Vorteile für die beru­fliche Kar­riere her­vorheben. Solche könne es zwar auch geben, etwa, wenn jemand nach­her zur Polizei wolle, vielmehr ist die Garde als Lebenss­chule zu sehen. Der Per­son­al­fach­mann glaubt, dass viele Junge zwar schon mit Mitte 20 dank guter Aus­bil­dun­gen über sehr viel Fachkom­pe­tenz ver­fügten, aber in der per­sön­lichen Entwick­lung hin­ter­her hink­ten. Für sie biete ein Ein­satz in der Garde die Möglichkeit, auch in diesem Bere­ich weit­erzukom­men. «Die ganze Welt kommt nach Rom. Ein Gardist kann an Ereignis­sen teil­nehmen, wie es später nie mehr möglich sein wird», schwärmt Beny Mess­mer, der von 1982 bis 1984 selb­st in der Garde diente. Und: «Er lernt, sich einzuord­nen, unterzuord­nen und ein Beken­nt­nis abzule­gen, dass er sich für diese Sache vor­be­halt­los ein­set­ze». Eine Erfahrung, die präge. Ehe­ma­lige seien in der Regel «loyale, zuver­läs­sige und treue Mitar­beit­er». Dies sei schliesslich der «beru­fliche Mehrw­ert» eines Ex-Gardis­ten. Und let­ztlich wird in der Garde die ital­ienis­che Sprache geschult und gefördert sowie die südländis­che Kul­tur ken­nen­gel­ernt.

Wegen der erwäh­n­ten demografis­chen Entwick­lung und der Konkur­renz durch eine flo­ri­erende Wirtschaft muss die Garde in der Öffentlichkeit stärk­er wahrgenom­men wer­den.

Der Rekru­tierungschef Beny Mess­mer geht für die tra­di­tion­sre­iche Garde neue Wege – mit ein­er Social-Media-Offen­sive. Videos geben Ein­blick in die Tätigkeit und das Leben der Garde und sollen so Anreiz schaf­fen, selb­st Gardist zu wer­den.

Dank dieser Präsenz auf YouTube hat sich die Zahl der Anfra­gen bei der Schweiz­er­garde bere­its gesteigert. Inter­essierte Män­ner wer­den dann ins Rekru­tierungszen­trum in Glarus ein­ge­laden. Wie erfol­gre­ich die neue Rekru­tierungstak­tik der Schweiz­er­garde ist, wird sich erst in den kom­menden Jahren zeigen.

Wir wün­schen unserem Mit­glied Beny Mess­mer weit­er­hin viel Freude und Erfolg bei der Ausübung seines wichti­gen Amtes als Infor­ma­tion­sund Rekru­tierungsstelle der Schweiz­er­garde.

Region­al­gruppe
VCU Linth