Geschichte hautnah: VCU Linth im Anna Göldi Museum
Am 23. Oktober 2025 besuchten 20 Mitglieder des VCU Linth das Anna Göldi Museum in Glarus. Die Führung übernahm Frau Dr. Nicole Billeter, die mit grossem Engagement und Sachkenntnis durch die Ausstellung leitete. Dank ihrer kompetenten und lebendigen Präsentation erhielt die Gruppe einen tiefen Einblick in die Geschichte und die Auswirkungen des Schicksals von Anna Göldi, das weit über Glarus hinaus Bedeutung erlangte.
Wer war Anna Göldi?
Anna Göldi, geboren 1734 in Sennwald, St. Gallen, war eine der letzten Frauen in Europa, die als Hexe angeklagt und 1782 in Glarus öffentlich enthauptet wurde. Ihr Fall ging damals als letzte Hexenhinrichtung Europas in die Geschichte ein und löste europaweit Empörung aus. Göldi arbeitete als Magd in verschiedenen angesehenen Haushalten, unter anderem bei dem Arzt und Ratsherrn Johann Jakob Tschudi in Glarus. Nachdem bizarre Vorfälle um Tschudis Tochter – wie das Spucken von Nägeln und Nadeln – bekannt wurden, wurde Göldi unter dem Vorwurf der Hexerei verhaftet und schliesslich unter Folter zum «Geständnis» gezwungen.
Die Hintergründe für die Anklage lagen jedoch vermutlich tiefer – unter anderem in persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Verstrickungen der lokalen Oberschicht. Ihr Prozess und das Urteil waren von Willkür und schweren Rechtsverletzungen geprägt: Hexerei war damals bereits kein gültiger Straftatbestand mehr. Viele Jahre später wurde Anna Göldi offiziell rehabilitiert und gilt heute als Symbol für den Kampf gegen Justizwillkür und für Menschenrechte.