In bester Stimmung durften 15 Personen einmal mehr ein intensives und bereicherndes 24h TimeOut geniessen. In dieser vierten Ausgabe besuchten wir das Kloster Baldegg, dessen Architektur weltweit grosse Aufmerksamkeit findet. Aus guten Gründen. Vor allem beeindruckte uns die herzliche Gastfreundschaft, die scheinbare Zeitlosigkeit und die Gottgetragenheit der Schwestern.
Sakrallandschaft für Kopf, Geist und Herz
Pilgerpfarrerin Franziska Bark Hagen empfing uns am 26. September pünktlich vor dem über 700jährigen Kloster Eschenbach. Gestärkt mit dem Pilgersegen in der barocken Klosterkapelle machten wir uns auf den Weg, bestaunten die prächtige Landschaft im Luzerner Seetal und genossen die Gelegenheiten zum ungezwungenen Austausch.
Ein erster Zwischenhalt in der Kapelle Urswil, geweiht der heiligen Otilia, den Unschuldigen Kindern und den vierzehn Nothelfern, lud dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir heute in unseren eigenen Nöten um Hilfe bitten - oder eben auch nicht. Die Innerschweiz, dies wurde einmal mehr deutlich, bildet eine Sakrallandschaft von hohem geistigen und kulturellen Wert.
Klösterliche Gastfreundschaft
In diesem Jahr war das Ziel unseres Time-Outs das Kloster Baldegg. Die 1830 gegründete Gemeinschaft trug bis in die jüngere Zeit massgeblich zur Schulbildung der Jugend auf dem Land bei. Auf dem Höhepunkt ihrer Existenz, Anfang der 1970er Jahre, zählte die Gemeinschaft, die nach dem Vorbild des heiligen Franziskus und seiner Spiritualität lebt, kurzzeitig über 1’000 Schwestern. Den damaligen Neubau realisierte der Bauhaus-Architekt Marcel Breuer im Sinne und Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Zuvor hatten die Schwestern vergeblich versucht, einen Schweizer Architekten zu finden, der bereit war, ihre Anliegen und Interessen zu berücksichtigen. In Fachkreisen ist das Gebäude heute weltweit bekannt und wird, wie wir am Samstag erfuhren, auch sehr häufig besucht.
Bereits der Freitag war reich an Höhepunkten. Insbesondere durften wir die Gastfreundschaft der Gemeinschaft geniessen, so an der Vesper (Abendlob), dem Nachtessen und im abendlichen Gespräch mit der Generaloberin. Eindrücklich die Vesper, an der rund 50 der heute noch 145 lebenden Schwestern teilnahmen. Einige Schwestern arbeiten noch auf Aussenposten, andere leben im klostereigenen Altersheim und beten dort gemeinsam. Alles geschah ohne Hast, ein Hauch von Zeitlosigkeit umwehte uns.
Gespräch mit Generaloberin
Wie gewohnt starteten wir in den Abend mit einem Gespräch. Dafür stellte sich diesmal Sr. Nadja Bühlmann zur Verfügung. Sie ist im nahegelegenen Ruswil (Luzern) aufgewachsen und gehört der Klostergemeinschaft seit 1984 an. Die Juristin beider Rechte (lic. iur. utr.) war unter anderem als Juristin bei der Caritas Schweiz und als Richterin kirchlicher Gerichte berufstätig, bevor sie 2023 neue Generaloberin der Ordensgemeinschaft der Baldegger Schwestern wurde. Dem bischöflichen Appellationsgericht gehört sie weiterhin an.
Es ist nicht möglich, die dichten Ausführungen von Sr. Nadja adäquat wiederzugeben. Sei es ihr persönliches Leben (inklusive Nahtoderfahrung nach einem Unfall), der Transformationsprozess der Gemeinschaft (das Durchschnittsalter der Gemeinschaft beträgt 81 Jahre) oder die Arbeit am bischöflichen Gericht («es ging darum, die Not der Menschen zu sehen»), in all ihren Ausführungen war eine Getragenheit, ein Gottgetragen spürbar, dem das Wort innere Gelassenheit nicht genügt. Noch lange haben wir an diesem Abend in kleinem Kreis diesen Gedanken nachgehangen. Aber waren wir nicht genau deshalb hierhergekommen?
Das Kloster als Gesamtlebenswerk
Passend zum Freitagabend bildete die Führung von Sr. Boriska Winiger durch das Kloster am Samstagvormittag ein Spiegelbild der Begegnung mit Sr. Nadja. Geschickt verknüpfte sie ihre spirituellen und beruflichen Erfahrungen als langjährige Schulleiterin der Schule für sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche Sonnenberg (Kanton Zug) mit der Architektur des Gebäudes, dem Leben der und in der Gemeinschaft, den aktuellen Herausforderungen und der Mithilfe aller Schwestern («wir brauchen keine Aktivierungstherapien»).
Und vor allem führte sie uns mit Hingabe, Fachkenntnis und Verve durch den zugänglichen Teil des Klosters, wies wie beiläufig auf die harmonische Verbindung von Innen und Aussen, die klare Architektur, die Reduktion auf das Wesentliche, die klug gewählte Dekoration, das einmalige Design der Klosterkapelle und vieles mehr hin. Sr. Boriska war 1964 in die Gemeinschaft eingetreten, im Mutterkloster Sonnhalde wohnt sie effektiv seit 2019. Aktuell leitet die 82jährige die Gemeinschaft der Schwestern im Altersheim, präsidiert den Konventsrat und führt Gruppen aus aller Welt durch das Kloster, ohne Hast und Eile als ob sie sonst nichts zu tun hätte.
Ein herzliches Dankeschön allen, die zu diesem wunderbaren Erlebnis beigetragen haben, ganz besonders Myriam Mathys als Co-Organisatorin, Franziska Bark Hagen vom Pilgerzentrum St. Jakob, Zürich, und ganz besonders Sr. Nadja und Sr. Boriska sowie der ganzen Gemeinschaft des Klosters Baldegg.
Bilder: Michael Lauener, Roland Gröbli, Public Domain
Text: Roland Gröbli


